Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit e.V.
Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit e.V. (eds.)

Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit ; 10 (2006) 2

172 pages
Release year 2006

Series: Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit , 10 (2006) 2

7,50 

Aus dem Editorial:
Die vorliegende zweite Ausgabe des 10. Jahrganges unserer Zeitschrift „Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit“ demonstriert in ihrer Weise das Fortschreiten unserer redaktionellen Arbeit. Den Aufsatzteil bilden die Ergebnisse des Graduiertenworkshops „Institutionalisierung militärischer und ziviler Ordnungen in der Vormoderne“, der am 28. Januar 2006 am Internationalen Graduiertenkolleg 625 „Institutionelle Ordnungen, Schrift und Symbole“ in Dresden stattfand. Wenngleich dies ein Novum ist, wird zugleich eine zentrale Stoßrichtung der Zeitschrift fortgeführt. Seit Beginn bilden  Projektberichte aus laufenden Forschungsvorhaben einen Schwerpunkt der Beiträge. Hier können nun Ergebnisse der z.T. bereits früher vorgestellten Forschungsprojekte in gebündelter Form präsentiert werden.
Ansatzpunkt des Workshops war es, militärische Ordnungskonzepte in ihrer Wechselwirkung mit anderen gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen näher zu beschreiben. Als Tiefenbohrung sollte der konkrete Fall der Rechtsordnung in den Blick genommen werden.
Ein Schwerpunkt innerhalb der Tagungsbeiträge bildete die Frage nach Darstellungsmodi militärischer Ordnung. Damit spiegelte sich eine in der aktuellen Forschung insgesamt an zutreffende Zuwendung zu neuen Quellengruppen und daran anschließende Fragen. Eine Tendenz, die auch im Bereich der neuen Militärgeschichte verankert ist, wie etwa die epochenübergreifende Sektion zu „Kriegs-Bildern“ auf dem letzten Deutschen Historikertag in Konstanz zeigt. Einen Tagungsbericht dazu, finden Sie ebenfalls in dieser Ausgabe.
Jan Willem Huntebrinker befasste sich mit Darstellungstypen von Söldnern auf Flugblättern und anderen Bildmaterialen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Dabei konnte er nicht nur positive und negative Stereotypen, sondern auch einen wechselseitigen Gebrauch von Darstellungsmustern militärischer und ziviler Ordnung aufzeigen, der entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmungsformen der entsprechenden Ordnungen haben musste.
Die Beiträge von Martina Dlugaiczyk und Claudia Schmitz, die für diese Ausgabe leider noch nicht zur Verfügung standen, beschäftigten sichebenso mit Bildern militärischer Ordnung und deren Einfluss auf zivile Ordnungsvorstellungen. Martina Dlugaiczyk fragte nach den Zusammenhängen und Synergieeffekten zwischen den Darstellungsmustern von Tulpen und militärischen Formationen in den Niederlanden des ausgehenden 16. Jahrhunderts.
Claudia Schmitz nahm hingegen die Mythen der Inka zum Ausgangspunkt, um nach Bildern militärischer und ziviler Ordnungsprinzipien zu fragen. Sie stellte heraus, dass als elementarster Aspekt symbolischer, sozialer und politischer Organisation im Andenraum der Dualismus komplementär wirkender Kräfte anzusehen ist. Mit Blick auf zivile und militärische Ordnung war das Gegensatzpaar von Zerstörungs- und Schöpfungskraft von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund schuf und stabilisierte der Krieg immer auch zivile Ordnung.
Heinrich Lang zeigte schließlich, dass für die Ordnungskonzepte zwischen städtischer Gesellschaft und Söldnerführern im Italien der Renaissance ebenso auf die Nutzung von Bildprogrammen zurückgegriffen wurde. Darstellungen von berühmten Condotteri im städtischen Raum dienten hier als ein Muster der Integration der Protagonisten militärischer Ordnung in die ‚Zivilgesellsc haft‘. Daneben verwies Heinrich Lang aber noch auf zahlreiche andere Verflechtungen zwischen beiden Bereichen. Im Ergebnis kann er letztlich aufzeigen, dass eine klare Trennung militärischer und ziviler Ordnung hier kaum noch möglich ist.
Die Beiträge von Martin Winter und Ulrike Ludwig nahmen schließlich die zivile Ordnung zum Ausgangspunkt, um die Auswirkungen militärischer Präsenz zu untersuchen. Martin Winter kann dabei für die Deserteursverfolgung im 18. Jahrhundert erstmals von der zivilen Gesellschaft ausgehend, detailliert Formen der Umsetzung und die dabei auftretenden Defizite aufzeigen. Hier wird deutlich, dass das Militär auf die Kooperation mit der zivilen Gesellschaft angewiesen war und trotz zum Teil gegenläufigen Interessen letztlich immer wieder einvernehmliche Lösungen gefunden wurden.
Ulrike Ludwig betrachtet schließlich am Beispiel der Landesverweisung, wie die kursächsische Strafrechtsordnung während des Dreißigjährigen Krieges an die neuen Gegebenheiten angepasst wurde, um zivile Ordnung zu erhalten und zu stabilisieren.
Es ist zu wünschen, dass die Zeitschrift auch künftig für andere Tagungen im kleinen Stil als Forum der Diskussion und für die Präsentation der Ergebnisse in Erscheinung tritt.
Neben den Aufsätzen finden sich natürlich auch in dieser Ausgabe wie üblich Projektvorstellungen, Tagungsberichte, Rezensionen und Ankündigungen. Besonders zu verweisen ist an dieser Stelle auf das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung des AMG in Konstanz, auf der auch ein neuer Vorstand gewählt wurde.
Abschließend sei im Namen der Redaktion den Autorinnen und Autoren der ganz unterschiedlichen Beiträge gedankt, die in den letzten zehn Jahren auf ihre Weise zum Gelingen und zur Fortentwicklung der Zeitschrift beigetragen haben. Wir hoffen, dass auch weiterhin eine große Vielfalt an Beiträgen und Anregungen diese Zeitschrift zum Forum der neueren Forschungen zur Militärgeschichte der Frühen Neuzeit mitgestalten helfen.

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Aus dem Editorial:
Die vorliegende zweite Ausgabe des 10. Jahrganges unserer Zeitschrift „Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit“ demonstriert in ihrer Weise das Fortschreiten unserer redaktionellen Arbeit. Den Aufsatzteil bilden die Ergebnisse des Graduiertenworkshops „Institutionalisierung militärischer und ziviler Ordnungen in der Vormoderne“, der am 28. Januar 2006 am Internationalen Graduiertenkolleg 625 „Institutionelle Ordnungen, Schrift und Symbole“ in Dresden stattfand. Wenngleich dies ein Novum ist, wird zugleich eine zentrale Stoßrichtung der Zeitschrift fortgeführt. Seit Beginn bilden  Projektberichte aus laufenden Forschungsvorhaben einen Schwerpunkt der Beiträge. Hier können nun Ergebnisse der z.T. bereits früher vorgestellten Forschungsprojekte in gebündelter Form präsentiert werden.
Ansatzpunkt des Workshops war es, militärische Ordnungskonzepte in ihrer Wechselwirkung mit anderen gesellschaftlichen Ordnungsvorstellungen näher zu beschreiben. Als Tiefenbohrung sollte der konkrete Fall der Rechtsordnung in den Blick genommen werden.
Ein Schwerpunkt innerhalb der Tagungsbeiträge bildete die Frage nach Darstellungsmodi militärischer Ordnung. Damit spiegelte sich eine in der aktuellen Forschung insgesamt an zutreffende Zuwendung zu neuen Quellengruppen und daran anschließende Fragen. Eine Tendenz, die auch im Bereich der neuen Militärgeschichte verankert ist, wie etwa die epochenübergreifende Sektion zu „Kriegs-Bildern“ auf dem letzten Deutschen Historikertag in Konstanz zeigt. Einen Tagungsbericht dazu, finden Sie ebenfalls in dieser Ausgabe.
Jan Willem Huntebrinker befasste sich mit Darstellungstypen von Söldnern auf Flugblättern und anderen Bildmaterialen des ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts. Dabei konnte er nicht nur positive und negative Stereotypen, sondern auch einen wechselseitigen Gebrauch von Darstellungsmustern militärischer und ziviler Ordnung aufzeigen, der entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmungsformen der entsprechenden Ordnungen haben musste.
Die Beiträge von Martina Dlugaiczyk und Claudia Schmitz, die für diese Ausgabe leider noch nicht zur Verfügung standen, beschäftigten sichebenso mit Bildern militärischer Ordnung und deren Einfluss auf zivile Ordnungsvorstellungen. Martina Dlugaiczyk fragte nach den Zusammenhängen und Synergieeffekten zwischen den Darstellungsmustern von Tulpen und militärischen Formationen in den Niederlanden des ausgehenden 16. Jahrhunderts.
Claudia Schmitz nahm hingegen die Mythen der Inka zum Ausgangspunkt, um nach Bildern militärischer und ziviler Ordnungsprinzipien zu fragen. Sie stellte heraus, dass als elementarster Aspekt symbolischer, sozialer und politischer Organisation im Andenraum der Dualismus komplementär wirkender Kräfte anzusehen ist. Mit Blick auf zivile und militärische Ordnung war das Gegensatzpaar von Zerstörungs- und Schöpfungskraft von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund schuf und stabilisierte der Krieg immer auch zivile Ordnung.
Heinrich Lang zeigte schließlich, dass für die Ordnungskonzepte zwischen städtischer Gesellschaft und Söldnerführern im Italien der Renaissance ebenso auf die Nutzung von Bildprogrammen zurückgegriffen wurde. Darstellungen von berühmten Condotteri im städtischen Raum dienten hier als ein Muster der Integration der Protagonisten militärischer Ordnung in die ‚Zivilgesellsc haft‘. Daneben verwies Heinrich Lang aber noch auf zahlreiche andere Verflechtungen zwischen beiden Bereichen. Im Ergebnis kann er letztlich aufzeigen, dass eine klare Trennung militärischer und ziviler Ordnung hier kaum noch möglich ist.
Die Beiträge von Martin Winter und Ulrike Ludwig nahmen schließlich die zivile Ordnung zum Ausgangspunkt, um die Auswirkungen militärischer Präsenz zu untersuchen. Martin Winter kann dabei für die Deserteursverfolgung im 18. Jahrhundert erstmals von der zivilen Gesellschaft ausgehend, detailliert Formen der Umsetzung und die dabei auftretenden Defizite aufzeigen. Hier wird deutlich, dass das Militär auf die Kooperation mit der zivilen Gesellschaft angewiesen war und trotz zum Teil gegenläufigen Interessen letztlich immer wieder einvernehmliche Lösungen gefunden wurden.
Ulrike Ludwig betrachtet schließlich am Beispiel der Landesverweisung, wie die kursächsische Strafrechtsordnung während des Dreißigjährigen Krieges an die neuen Gegebenheiten angepasst wurde, um zivile Ordnung zu erhalten und zu stabilisieren.
Es ist zu wünschen, dass die Zeitschrift auch künftig für andere Tagungen im kleinen Stil als Forum der Diskussion und für die Präsentation der Ergebnisse in Erscheinung tritt.
Neben den Aufsätzen finden sich natürlich auch in dieser Ausgabe wie üblich Projektvorstellungen, Tagungsberichte, Rezensionen und Ankündigungen. Besonders zu verweisen ist an dieser Stelle auf das Protokoll der letzten Mitgliederversammlung des AMG in Konstanz, auf der auch ein neuer Vorstand gewählt wurde.
Abschließend sei im Namen der Redaktion den Autorinnen und Autoren der ganz unterschiedlichen Beiträge gedankt, die in den letzten zehn Jahren auf ihre Weise zum Gelingen und zur Fortentwicklung der Zeitschrift beigetragen haben. Wir hoffen, dass auch weiterhin eine große Vielfalt an Beiträgen und Anregungen diese Zeitschrift zum Forum der neueren Forschungen zur Militärgeschichte der Frühen Neuzeit mitgestalten helfen.